Weichen von Weller

Eine Galerie ist am Ende des Beitrags zu finden.

Wem die Weichen der einschlägigen Großserienhersteller nicht genügen, die Weichen der Kleinserienhersteller aber zu teuer/zu lang sind, der wird bei Günter Weller fündig. Günter Weller bietet verschiedene Weichengeometrien -bis hin zum Vorbildradius 190 m- an. Für mein FREMO-Kleinbahnprojekt habe ich mich für die Wellerweiche mit 1928,67 mm Radius (entspricht 167,8 m Radius im Maßstab 1:1) und 7,5° Abzweigwinkel (entspricht 1:7,6) entschieden. Vorbildgerecht wäre eine EW150 1:7,5 (1724,14 mm  mit 7,6°im H0) gewesen. Jedoch sind die Abweichungen zu den Vorbildmaßen so gering, das es kaum ins Gewicht fällt. Im Bild 5 der Gallerie ist die EW150 rot und die Wellerweiche grün dargestellt. Diese Darstellung wurde mit dem Mathematik-Programm Geogebra erstellt, das eigentlich für den Mathematikunterricht konzipiert wurde und frei erhältlich ist. Bild 4 zeigt die benötigten Formeln und die sich aus der Grafik (Bild 5) ergebenen Punkte. Es wird deutlich, daß der Unterschied minimal ist. Der abzweigende Bogen endet bei der EW150 vor dem Herzstück im Punkt C und bei der Wellerweiche auf der Herzstückspitze in Punkt A. Der gemeinsame Weichenmittelpunkt ist Punkt D.

Der Schwellenrost ist aus Resin hergestellt, die Schieneprofile können von Tillig (H0-Elite) oder Peco (Code 75) stammen. Meine Empfehlung für den Anfang ist es, mit einem Bausatz zu beginnen, da hierbei die Herstellung von Weichenzungen, Herzstückspitze und Radlenker entfällt und die Weiche praktisch sofort zusammengebaut werden kann. Bild 1 zeigt den Inhalt des Bausatzes. Dieser kostet für die o.a. Weiche 25,50 € (Stand September 2010). Der mitgelieferte Draht links unten neben der Stellschwelle hat einen Durchmesser von einem Millimeter und dient als Lehre für die Rillenweite der Radlenker bzw. Flügelschienen. Der Schwellenrost muß zumächst durch Planschleifen von den Schwimmhäuten befreit werden. Dadurch wird die Unterseite aufgerauht und vom Trennmittel befreit. Nun gilt es das Trennmittel von der Oberseite zu entfernen. Dies geschieht am besten mit Scheuermilch und einer Zahnbürste. Damit bei dieser Arbeit der Schwellenrost nicht bricht, wird er auf einem Holzbrett fixiert. Das Wasser beim Spülen sollte kalt sein. Bild 3 zeigt ein Detailausschnitt des Schwellenrostes. Zu beachten ist neben den Kleineisen die feine Maserung der Schwellen, die bisher von keinem Großserenhersteller erreicht wurde.

Die ersten Rollversuche wurden mit nur aufgelegtem Schienenprofil gemacht und verliefen sowohl für RP25-Radsätze (Radsatzinnenmaß 14,4 mm), als auch für H0fine-Radsätze (Radsatzinnenmaß 14,8 mm) positiv. Getestet wurde mit kurzen und langen zweiachsigen Wagen. Obwohl die Schienenprofile nur aufgelegt waren ist nie ein Wagen entgleist oder an der Herzstückspitze aufgelaufen. Zu Beginn des Zusammenbaus werden alle Schienen gerichtet, da diese -bedingt durch das Entfernen des Schienenfußes- leicht nach oben gebogen sind. Um zu vermeiden, daß der Schwellenrost bei der Montage der Schienenprofile bricht, wird dieser in einem möglichst frühen Stadium der Montage auf ein Trassenbrett (Sperrholz 4 mm) mit Zweikomponentenkleber befestigt. Da dadurch ein nachträgliches Anlöten der elektrischen Anschlüsse unter den Schienenfuß nicht mehr möglich ist, wird dieser Arbeitsschritt als erstes ausgeführt (siehe Bild 6). Die Drähte sind so anzulöten, daß diese später zwischen zwei Schwellen liegen. An die Weichenzungen wird je ein Messingdraht (0,3 mm) im Bereich der Stellschwelle gelötet. Dazu ist in den Schienenfuß auf der Profilinnenseite eine Aussparung vorzusehen. Die Weichenzungen werden anschließend mit Sekundenkleber auf den Schwellenrost geklebt. Danach werden die Bohrungen in der Stellschwelle aufgebohrt, diese von unten montiert, die Drähte umgebogen und ggf. gekürzt. Die Stellschwelle gewinnt zwar keinen Schönheitswettbewerb, allerdings ist die Stellschwelle von Tillig auch keine Alternative und die Stellstange des neuen Gleissystems von Weinert-Modellbau ist z. Zt. noch nicht verfügbar.

Um den Zusammenbau zu erleichtern, werden in ein Brett (Sperholz 10 mm) großzügig Löcher zur Drahtdurchführung gebohrt . Das Brett ist sowohl für Rechts-, als auch für Linksweichen verwendbar und kann in einem Schraubstock eingespannt werden. Vor dem Aufkleben ist die Aussparung für den Stelldraht anzufertigen. Als Kleber kommt Zweikomponentenkleber zum Einsatz. Nach vollständigem Aushärten können ggf. die Verbindungsstege zwischen den Schwellen entfernt und die Löcher für die Drahtdurchführung gebohrt werden.

Als kleines Gimmik habe ich die Weiche mit Stützknaggen ausgestattet. Diese gibt es wagenwerk.de zu kaufen. Das Anlöten ist problemlos, auf die Nachbildung der Schrauben habe ich verzichtet. Allerdings sind die Weichen dann nicht mehr mit NEM-Radsätzen befahrbar. Die Stützknaggen müssen ggf. nach dem Einbau des Schienenprofils von oben mit einer feinen Schlüsselfeile bearbeitet werden, bis die Spurkränze nicht mehr auflaufen. Um die Weiche optisch zu vervollständigen sind Kunststoff-Schienenlaschen von RST (ebenfalls aus dem Bahnsinn-Shop) im Bereich der elektrischen Trennstelle angeklebt worden. Beim Heraustrennen der Schienenlaschen aus dem Gußträger ist äußerste vorsicht geboten, damit sie nicht brechen. Sind alle Arbeiten erledigt, wird die Weiche ausgiebig getestet. Zu diesem Zweck habe ich eine Weichen-Testvorrichtung gebaut, mit der die mechanische und elektrische Funktion getestet werden kann. So kann das Fahrverhalten verschiedener Loks und Wagen erprobt werden.

Nach einem ausführlichen test können noch Futterstücke ergänzt werden. Vorbildinformationen dazu finden sich in "HP1 Eisenbahnmodellbau heute" (Kosak-Verlag) in Heft 11 und 35. Die Futterstücke sind aus 0,5 mm Blechreste  (Ätzplatten) angefertigt worden. Da die Weiche kein k
onkretes Vorbild hat, sind die Positionen der Futterstücke nach gestalterischen Aspekten gewählt worden.

Fazit: Einen Wellerweichen-Bausatz zusammenzubauen ist recht einfach und führt recht schnell zum Erfolg. Der Zusammenbau der ersten Weiche hat ca. 4 Stunden gedauert (inc. der Verfeinerungen und Anfertigung des Trassenbrettes). So erhält man schlanken Weichen zu moderaten Preisen.